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Irgendwo in Colorado,
USA, schwingt ein Cäsium-Atom auf und ab. Ein Detektor
stellt fest, dass es wieder sechs Millionen Schwingungen vollzogen
hat und leitet diese Informationen weiter. Für die Menschen
ist eine Sekunde vergangen. Die Atomuhr in Colorado ist die
bisher genaueste Uhr der Welt: per Definition entspricht eine
genau bestimmte Anzahl von Schwingungen des Cäsium- Atoms
einer Sekunde.
Ein Atom schwingt
ganz unbeschwert vor sich hin, und für uns Menschen vergeht
dabei Zeit. Der interessierte Beobachter dieser Ereignisse
stellt allerdings dabei fest, dass hier nicht eigentlich Zeit
gemessen wird. Dem Autor ist kein Versuch bekannt, bei dem
tatsächlich direkt Zeit gemessen wurde. Also durchforstet
er das Wissen, dass er sich als Chemiker angeeignet hat und
sucht dabei nach der Zeit. Er erinnert sich an chemische Gleichungen,
bei denen das "t" die Zeit sympolisiert. Jene Gleichungen
beschreiben allerdings nur die Entstehung von neuen Verbindungen
aus vorhergehenden oder wie ein bestimmtes System Energie
an die Umgebung abgibt und sich dabei abkühlt. Allesamt
Ereignisse, denen zuweilen eine gewisse Dramatik innewohnen
kann, wie z.B. die der innigen Verbundenheit zweier Kohlenstoffatome,
die durch einen plötzlichen Anstieg der Energie und der
Anwesenheit eines bösartigen Sauerstoffatoms für
immer getrennt wurden. "Plötzlich", "für
immer"- Worte durch die sich in diese Beschreibung die
Zeit hineinzuschleichen scheint.
Auf der Suche nach
der Zeit gerät der Autor endlich an die Thermodynamik,
die unter anderem thermische Veränderungen von Systemen
aus vielen Teilchen beschreibt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse
der Thermodynamik besteht darin, dass es in der Natur eine
Richtung für den Fluß von Ereignissen gibt. Alle
Systeme haben die ihnen innen wohnende Eigenschaft, sich so
zu verändern, dass sie den Zustand mit der geringsten
Energie erreichen. Das entspricht leider auch dem Zustand
höchstmöglicher Unordnung: wenn ein wertvolles Sektglas
zerspringt und der ganze
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Küchenboden
mit Glasscherben übersät ist, wird dieses Glas höchstens
in den Wunschvorstellungen des Verursachers dieser Katastrophe
aus seinen zerstreuten Teilen wieder zu seiner vorherigen
schönen Form zusammensetzen. Die Atome, die sich in einem
sehr geordneten Zustand im feinen Sektglas befanden, haben
nun einen viel gemütlicheren Zustand erreicht und keinerlei
Bestrebung, spontan, d.h. von selbst, sich wieder zusammenzufügen.
Dieser dramatische
Fall zeigt, hoffentlich deutlich genug, die Irreversibilität
von Ereignissen in der Natur. Diese Ausrichtung von Prozessen
in der Natur, diese Unwiederbringlichkeit eines ehemaligen
Zustandes, kann durch eine tatsächlich messbare Größe
beschrieben werden: der Entropie. Seit dem Big Bang, bei dem
sich die gesamte Materie des Weltalls in einem Zustand äußerster
Ordnung befand, nimmt diese Entropie des Universums stetig
zu.
Es gibt extrem
unwahrscheinliche Zustände spontaner Ordnung in der Natur,
zu denen das Leben eines Menschen zählt, diese werden
aber von der Thermodynamik als metastabile Zustände abgetan,
das heißt in etwa: vorübergehende Zwischenzustände,
die nur kurzzeitig haltbar sind, so wie die Mich oder das
besagte Menschenleben. Ein weiterer metastabiler Zustand der
Materie ist das menschliche Bewußtsein. Dieser extrem
unwahrscheinliche thermodynamische Zustand braucht für
seine Existenz ein Vorher, ein Jetzt und ein Später.
Er findet diese Gebilde in der Unumkehrbarkeit natürlicher
Prozesse: Die Entropie, die eindimensionale Richtung der Ereignisse
in der Natur, scheint uns Menschen ein nicht meßbares
Gebilde wie die Zeit aufzudrängen.
Einstein beschrieb
die Zeit als eine existierende vierte Dimension des Weltalls.
Der etwas fassungslose
Autor stellt allerdings an diesem Punkt seine Nachforschungen
über die Zeit ein und hofft, daß andere sie weiterführen.
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