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Liebe Frau Ilona
Lenk, liebe Familie Lenk, liebe Gäste!
Zu der Zeit, als der Arbeitskreis Kirche und Kunst beriet,
eine weitere Ausstellung im Münster zu machen, besuche
ich zufällig die Kunstausstellung "Drei Generationen"
in Stuttgart. Die drei Generationen sind Großvater Lenk,
Vater Lenk und Tochter Lenk. Die Werke des Großvaters
gefielen mir, die Werke des Vaters kenne und schätze
ich seit langem, die Werke der Tochter Lenk berührten
mich.
Als ich spontan auf die Künstlerin zuging und sie fragte,
ob sie bereit wäre, im Münster St. Paul einen Anlaß
des Kirchenjahres in ihrer Art zu gestalten, da geschah etwas,
was wir vom Arbeitskreis schon mehrmals erlebt hatten: Es
kam ein Leuchten in die Augen der Künstlerin, ein Strahlen
ging über ihr Gesicht: "In einer Kirche und in einer
solchen Kirche?"
Es stellte sich heraus, dass Ilona Lenk sich schon länger
mit biblischen Themen auseinandergesetzt hatte. Die "Sieben
letzten Worte" hatte sie bereits in ihrer eigenen Bildsprache
dargestellt. "Ecce Homo"- hier nicht ausgestellt-
ist eine weitere Arbeit aus der Leidensgeschichte Jesu. Diese
darzustellen ist seit etwa 2001, seit ihrem Romaufenthalt,
ein Anliegen der Künstlerin. Es ist ihr Aufschrei gegen
Folter und Grausamkeit: "Was tut der Mensch dem Menschen
an" lautet das Thema einer ganzen Werkreihe. Der 14teilige
Kreuzweg ist die dritte und jüngste Arbeit daraus.
Meine Damen und Herren, sie haben auf der Einladung gelesen:
Bilder von Ilona Lenk. Sie haben sich wohl gewundert über
die Bilder, die sie hier vorgefunden haben. Bilder, die Sie
wohl eher als Skulpturen oder Reliefs bezeichnen würden,
die ganze Reihe als eine Installation.
Frau Lenk sagt, es sind Bilder: sie bestehen, wie es bei Bildern
üblich ist, aus Holzrahmen, Leinwand und Farbe. Dieser
Holzrahmen ist unsichtbar, gibt dem Bildkörper Form und
Halt. Die Form kann die eines Quaders sein wie in den Sieben
Worten, die Form eines Würfels wie in Via Crucis, oder
die Form einer Welle wie in Ecce Homo.
Über diese Rahmen spannt sich die Leinwand oder ein anderer
textiler Stoff. Der Stoff wird in Falten gelegt und dann bemalt.
Der Stoff ist also nicht bloßer Bildgrund. Er ist sozusagen
das Bild selbst. Seine Falten bilden eine Struktur. Licht
fällt darauf, Schatten bilden sich, eine Zeichnung entsteht.
Die Falten überwinden die zweidimensionale Ebene, sie
dringen ein wenig in den Raum vor. Dadurch sind die Arbeiten
ein Zwischenstadium zwischen zweidimensionalem Bild und dreidimensionalem
Relief: Ilona Lenk wagt eine künstlerische Gratwanderung.
In Falten steckt vieles: Die Sprache verrät schon: Vielfalt,
Einfalt, Mannigfaltigkeit. Aus der Gesteinsfaltung liest man
die Erdgeschichte, aus den Falten der Mimik Lebensgeschichten.
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