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"Farbe"
und "Bild", zwei Begriffe, die mit der Malerei von
Ilona Lenk untrennbar verbunden sind.
Was bedeutet Ihr die Farbe und welche Möglichkeiten und
welche Grenzen setzt sie dem Bild oder besser dem Bildträger?
Sind die Grenzen zwischen dem Betrachter und dem Bildträger
streng reglementiert oder sind sie fließend? Der Titel
des Katalogs Moving Pictures Laufend Bilder, gibt dazu schon
eine erste Antwort. Die Bilder bewegen sich, sind durch keinen
Rahmen eingegrenzt und die Leinwand wird durch ihre Bewegung
zu einem eigenen Element des Werkes, neben Bilderrahmen und
Farbe.
Farbe ist, so das
Lexikon, eine Gesichtsempfindung, die als Ergebnis einer Lichteinwirkung
auf das Auge entsteht und von physiologischen und pschologischen
Faktoren begleitet und beeinflußt wird. Die menschliche
Farbwahrnehmung bereichert die Beziehung zur Umwelt auf spezifische
Weise, indem die Gestalt-, Größen- und Raumwahrnehmung
durch die besondere Eigenschaft des Farbigen differenziert
wird.
Die vorherrschenden
Farben im Werk Ilona Lenks sind die beiden Pole Weiß
und Grau, das bis ins fast schwarz tendieren kann, und deren
Wirkung als kühl oder neutral zu bezeichnen ist. Als
Gegensatz dazu die sehr energiegeladene Farbe Orange. Organge
steht, wird die Weisheit chinesischer Philosophie bedacht,
zwischen der Vollkommenheit des Gelb und der Macht und dem
Glück des Rot. Orange
ist die Farbe des Wandels und somit die Sympolfarbe für
das Schaffen von Ilona Lenk als Malerin und Bühnenbildnerin.
Die monochrome
Malerei Ilona Lenks ist die Auseinandersetzung und die Konzentration
auf die Malerei an sich. Ilona Lenk läßt vor unseren
Augen Farbkörper entstehen, deren Wahrnehmung als Körper
und Farbe an sich und ihre Beziehung zum umgebenden Raum die
Leistung und das Erlebnis des Betrachters sein muß.
Von hier läßt sich direkt überleiten zu dem
zweiten, eingangs erwähnten Begriff, dem Bild.
Seit in unser Leben
eine gigantische Bilderflut geradezu hereinbrach, setzte das
Nachdenken über dieses Phänomen und Prinzip Bild
ein. Der fast schon naiv anmutende Gebrauch des Begriffes
in der Kunstgeschichte als Synonym für Malerisches und
Grafisches hat kaum mehr etwas gemein mit dem interdisziplinären
Gebrauch des Wortes Bild. An dieser Stelle muß jedoch
diese Andeutung genügen, welche Diskurse derzeit nicht
nur in der Kunstwissenschaft dazu geführt werden.
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Ilona Lenk beweißt
jedoch mit ihrer Kunst, dass sich gerade aktuelle Künstler
mit diesem Phänomen auseinander setzen. Ihr geht es zunächst
nicht darum, etwas abzubilden, sondern sie beschäftigt
sich mit dem Bildkörper. Diesem Bildkörper ist es
möglich, in den Betrachterraum einzudringen, indem er
die zweidimensionale Form sprengt. In großen Wellen
bewegen sich die Bilder von der Wand auf den Boden oder stehen
in kubischen Formen direkt auf dem Boden. Auch horizontale
und vertikale Formen können sich auf der Wand überlagern
und mehrschichtige Körper bilden. Der sie umgebende Raum
wird mit in das Werk einbezogen. Die Werke visualisieren so
die Raumwahrnehmung des Betrachters, indem die traditionellen
Raumachsen im Bild aufgenommen werden oder sich das Bild ihnen
widersetzt.
Selbst die Leinwand
beginnt ein eigenes Leben, das sie zur dritten Kraft des Bildes
macht. Nicht mehr straff gespannt und hinter Farbe und Grundierung
verschwunden, sondern in opulente, weiche Falten gelegt, wird
sie Teil des Bildkörpers. Das Bild bekommt durch die
Falten der Leinwand eine besondere Dynamik und Bewegung, die
sich sowohl zum nächsten Bildkörper als auch in
den Betrachterraum hinein fortsetzt.
Doch neben dem
sichtbaren Bildkörper ist dem Phänomen Bild eine
weitere Projektionsfläche inhärent. Bilder können
Bilder im Betrachter hervorrufen, die weit über das Sichtbare
hinausweisen. Ilona Lenk kann mit ihren Bildern Landschaften
entstehen lassen. Die Wellen, Schwarzes Meer oder wüste
orange wüste imaginieren die Sehnsüchte des Betrachters
nach dem Meer oder der Wüste im gleissenden Sonnenlicht.
Doch Ilona Lenk geht sogar noch einen Schritt weiter, indem
Sie in ihren neuesten Arbeiten, Ecce Homo oder den drei jeweils
siebenteiligen Les Sept Dernieres Paroles Bezüge zu biblischen
Motiven herstellt. Dabei bezieht Sie sich nicht direkt auf
die Bibel, sondern findet Ihre Bilder über die musikalische
Umsetzung von Joseph Haydn. Also werden die uns verbal überlieferten
Bilder über die musikalischen Bilder Haydns von Ilona
Lenk wieder in visuelle Bilder transformiert.
Hier schließt
sich der Kreis zum Anfang und zum Titel des Katalogs Laufend
Bilder Moving Pictures. Im Kopf des Betrachters entstehen
laufend, evoziert durch die Mehrteiligkeit der Arbeiten und
die Verwandlung Ilona Lenks Bilder, moving pictures.
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