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Wenn Bilder zur
Bewegung drängen, sie den gewohnten Rahmen verlassen,
sich anziehen, ineinanderschieben und wieder abstoßen,
sie gleichsam zu Akteuren eines geheimnissvollen Geschehens
werden, das sich vor dem Hintergrund von Farbe und Format
abspielt, dann ist der Weg zur Bühne nicht weit. Die
Bilder werden zur Handlung, zum Drama also, die Malerei weitet
sich zur Bühne hin. Der Weg der Malerin Ilona Lenk zur
Bühnenbildernerin (und wieder zurück) ist wohl zwangsläufig.
Dabei ist sie in guter Gesellschaft: Kandinsky mit seinem
"Gelben Klang", Schlemmers "Triadisches Ballett",
Achim Freyer oder Robert Wilson; alles Wanderer zwischen den
Kunstwelten.
Der Raum, ein altes
Kellergewölbe, ideal für die Umsetzung von Lessings
"Philotas", der Tragödie eines Prinzen, der
in Gefangenschaft gerät. Gegen den Naturalismus des Verlieses
setzt Ilona Lenk einen strengen, durchkomponierten Anti-Realismus:
Blaue, dimmbare Leuchtstoffröhren zeichnen die Raumlinien
in der Horizontalen sowie in der Vertikalen nach. Blaue Metallplatten
auf dem Boden verströmen
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Kälte. An
den Wänden hängen Plexiglaskäsen, gefüllt
mit heliogenblauen Pigmenten, die wirken, als wären sie
die Asche gefallener Helden. Eine suggestive Atmosphäre
von klirrender Kälte und Unerbittlichkeit. Die Figuren
dieser Geschichte scheinen extrem ausgesetzt, die Grenzen
zwischen Sieger und Besiegten verwischen, kein sicherer Ort,
nirgends. So konterkariert der Bühnenraum die vordergründige
Struktur des Textes, leuchtet schonungslos die Kehrseite des
hehren Pathos von Vaterlandsliebe und Moral aus.
Die Bühnenbilder
Ilona Lenks ziehen den Texten gleichsam die Haut ab, schneiden
in ihr Fleisch, sezieren, bis sie an den Punkt gelangen, den
Goethe den geheimen nannte, nämlich der Punkt, an dem
der Mensch in seiner ganzen Schutzlosigkeit erkennbar wird,
der Punkt, an dem der Mensch selbst zum Schauplatz wird, indem
das, was er will, und das, was er soll, ihn zu zerreissen
droht. Die Bühnenbilder Ilona Lenks legen die Nerven
der Stücke bloß.
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